Kandidat für den Piraten-Bundesvorstand – was kommt auf einen zu? Interview mit Carsten Sawosch

CARSTEN SAWOSCH - PIRATEN STV VORSITZENDER - FOTO KOMPASS be-him CC BY NC ND - IMG_6671 - BLOG

CARSTEN SAWOSCH – PIRATEN STV VORSITZENDER – FOTO KOMPASS be-him CC BY NC ND – IMG_6671 – BLOG

Ein Jahr geht schnell vorüber … nach dem außerordentlichen Bundesparteitag 2014 in Halle trat Ende Juni ein neuer Bundesvorstand bei den PIRATEN ins Amt, mit dem Ziel, die aufgeregte, in sich zerstrittene Partei wieder in ruhigere Gewässer zu geleiten. In diesem Ausnahmejahr erstmals im “BuVo” dabei: Carsten Sawosch, gewählt zum zweiten Vorsitzenden. Wir sprachen mit ihm über Kandidaten, Kandidaturen, und was alles rund um den Bundesvorstand auf potentielle Neukandidaten zukommt.

Wie waren deine Erfahrungen als frischgewählter Bundesvorstand?

Es gab keine vernünftige Übergabe. Gerade das war die Problematik mit den kommissarischen Vorgängern. Wer arbeitet wo, wer hat welche Beauftragung, die ganzen Ansprechpartner, das war alles zu sortieren.

Wieviele Monate hat dies so gedauert?

Die ersten drei bis vier Monate, also weit über die ersten 100 Tage hinaus. Der neue Vorstand traf sich dann zu einer Klausur. Wir haben untereinander relativ zügig zueinander gefunden, Arbeitsweisen der einzelnen akzeptiert, respektvolles Verhältnis gefunden. Als Team konnten wir gut zusammenarbeiten. Später ging es an einzelne Geschäftsbereiche, da hieß es nachjustieren. Inzwischen haben wir uns ganz gut gefunden.

Welche Hinweise hast du an Kandidaten?

Es ist unheimlich schwierig, ein Meinungsbild hinzubekommen. Man sollte hier ein gutes Bauchgefühl haben, darauf wird man sich verlassen – nicht auf das, was einem über diverse Kanäle wie etwa Twitter zugetragen wird. Schließlich muss man als Vorstand für seine Entscheidungen geradestehen. Entscheidend ist noch, welches Anspruchsdenken man bei sich anlegt, wie einen andere unterstützen.

Wie hoch ist die Arbeitsbelastung in Stunden pro Woche?

Es lässt sich schlecht messen. Von Montag bis Freitag komme ich so auf 25 bis 30 Stunden. Dazu dann noch die Wochenenden: bei bestimmt zwei Wochenenden im Monat stehen irgendwelche Termine an.

Gatefrei seit über 332 Tagen. Drübermontierter Text aus einem Bannerbild-Generator. Originalaufnahme war vor dem Verfassungsgericht Karlsruhe.

Der PIRATEN-Vorstand 2014/2015: “Gatefrei seit über 332 Tagen”, ein per Webtool drübermontierter Text. Solche Bilder machten in den letzten Tagen die Runde auf Twitter. Die Originalaufnahme entstand vor dem Verfassungsgericht Karlsruhe am letzten Samstag zum Grundgesetz-Geburtstag bei der Mahnwache.

Wie viel Kilometer verbringst du im Zug oder auf der Autobahn?

Ich habe nicht groß gezählt, ich war dies Jahr zweimal in Prag, in Neumünster, aktuell grade im Saarbrücken, 1.100 Kilometer an einem Wochenende. Aufs ganze Jahr kann ich dir das nicht sagen. Manchmal mit Beifahrern, auch aus dem Buvo, wenn sich das ergibt, oftmals auch alleine unterwegs.

Wie finanziert man das ganze persönlich? Die Partei ist nicht reich.

Du hast Anspruch auf deine Reisekosten. Ich mache auch Reisekostenabrechnungen. Da möchte ich plus/minus null heraus gehen. Grundsätzlich kannst du sagen, dass du Geld ausgibst, das du nicht wiederbekommst. Wie etwa Mehrkosten durch die Verpflegung auf der Reise oder im Hotel. Man müsste als Bewerber da schon ein gewisses eigenes Budget mitbringen. Man tritt da in Vorleistung: Mietwagen, Hotelkosten zahlst du im Voraus.

Gibt es Unterstützung bei der Organisation?

Ich habe kein Helferteam, aber wir als Bundesvorstand eine Vorstandsassistenz aus drei Leuten, die die Tickets verarbeiten. Persönliche Assistenten wie andere Vorstände habe ich nicht. Ich mache meinen Krempel selbst. Im meinen Aufgabenbereichen Datenschutz und Justiziariat sind Leute, die eigenständig viel von der Arbeit übernehmen.

Welche Erfahrungen sollte man als Buvo-Kandidat haben?

Man sollte schon mal in verschiedenen Gremien gewesen sein: ganz wichtig ist die Fähigkeit, andere Argumentationen wahrzunehmen und auch zu akzeptieren. Teamfähigkeit ist ein Muss.

Was hältst du von Spontankandidaturen?

Natürlich habe ich nichts dagegen, aber mit einer gewissen Logik überdacht: das wird nicht funktionieren. Es sollte ein längerer Prozess sein, aber man kann es auch nicht ausschließen, etwa wenn jemand längere Zeit mit sich über eine Kandidatur ringt. Doch ich finde, die Basis sollte im Vorfeld des Parteitages über eine Kandidatur informiert sein.

Gibt es eigentlich Dank oder nur Kritik? Wie soll man damit umgehen?

Es gibt hier und da ein Dankeschön, da freue ich mich, das ist großartig, ist bei uns leider etwas unterentwickelt. Kritik hilft mir, leider ist sie oftmals auf 140 Zeichen bei Twitter beschränkt. Wer sie äußern möchte, kann sie auch gerne per Mail an vorstand@piratenpartei.de schicken. Kritik ist sehr wichtig.

Wo siehst du die PIRATEN in drei Jahren?

Das Problem: wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns. Ich wünsche mir, dass ich zur Bundestagswahl entsprechenden Erfolg für all die reingesteckte Zeit und Energie sehen werde. Ich wünsche mir für die Partei eine gefestigte organisatorische Struktur. Ich denke, dass wir auf einem guten Weg dahin sind. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele zum Bundesparteitag kommen, dass wir einen guten Bundesvorstand wählen können und die gute Arbeit fortgesetzt werden kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

Über Stefan Müller

Pirat und Zeitungsmacher.

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Ein Kommentar zu Kandidat für den Piraten-Bundesvorstand – was kommt auf einen zu? Interview mit Carsten Sawosch

  1. Jürgen Hey sagt:

    Hallo,
    Ich finde es gut, das ich als Mandatsträger 1 Jahr lang nicht die Piraten verteitigen musste, sonder wirklich Arbeiten konnte. Das war für mich eine Entlastung. Und glaubt mir, ich hatte dieses Jahr wirklich viel zu tun.

    Bis dann
    Lg von Jürgen Hey

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