Zur neuen Grundeinkommenspartei: Volksabstimmung per Wahlzettel?

Ein Beitrag von Gernot Reipen

Am ersten Wochenende im Oktober wurde in München die neue Partei “BGE – Die Grundeinkommenspartei“ gegründet. 32 Gründungsmitglieder aus elf Bundesländern wählten ihren Vorstand. Zwei Vorstandsmitglieder, Ron Trzoska (Vorsitzender) und Arnold Schiller (stellv. Vorsitzender) der neuen BGE-Partei sind auch Mitglieder der Piratenpartei.  

Da es im Gegensatz zur Schweiz, wo Anfang Juni 2016 eine Volksabstimmung zum Grundeinkommen durchgeführt wurde, eine solche auf Bundesebene in unserem Land nicht möglich ist, soll nun quasi eine Volksabstimmung zum Grundeinkommen per Wahlzettel erfolgen. Auf der Homepage der BGE-Partei liest sich die Begründung wie folgt:

“Wir haben jedoch eine Möglichkeit gefunden, die das Grundgesetz vorsieht, um ein ähnliches Votum herbeizuführen. So kamen wir zu dem Schluss, dass es jetzt sinnvoll ist, die Zweitstimmen bei der Bundestagswahl 2017 zu nutzen. Um Zweitstimmen können sich ausschließlich Parteien bewerben. Deshalb bleibt nur der Umweg über eine Partei.”

Einziges politisches Ziel der neuen Ein-Themen-Partei ist die Einführung des Grundeinkommens in Deutschland, so wie es das Netzwerk Grundeinkommen definiert.

Ein Grundeinkommen ist ein Einkommen, das eine politische Gemeinschaft bedingungslos jedem ihrer Mitglieder gewährt. Es soll die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, einen individuellen Rechtsanspruch darstellen, sowie ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zur Arbeit oder anderen Gegenleistungen garantiert werden.


Was ist von dieser Idee “Volksabstimmung per Wahlzettel” zu halten und wie hoch sind die Chancen, dass über diesen Umweg ein politisches Ziel erreicht werden kann?

Im Vergleich zu einem Volksbegehren ist die Gründung einer Partei relativ einfach. Es genügen 61 Mitglieder und bundesweit 25.000 Unterschriften, genauso viele wie der Antrag auf ein Volksbegehren in Bayern. Aber dort müssten dann noch rund 930.000 Wahlberechtigte innerhalb von 14 Tagen im Rathaus unterschreiben, damit das Volksbegehren eingeleitet wird. Diese Hürde entfällt bei Gründung einer Bundespartei.

Erfolg würde sich aber nur dann einstellen, wenn bei der kommenden Bundestagswahl ein klares Votum für das Bedingungslose Grundeinkommen bei den Wahlberechtigten sich abzeichnen würde. Zitat:

“Ein klares Votum bringt das Grundeinkommen in das Parlament bzw. in die parlamentarische Debatte”.

 

Zugegebenermaßen hat die Nachricht einer neuen BGE-Partei innerhalb von BGE-Aktivisten, Initiativen und Organisationen bereits Aufmerksamkeit erzielt, und das Netzwerk Grundeinkommen widmete letzte Woche gleich zwei Blogbeiträge diesem Thema.

Parteien und das Grundeinkommen

Schenkt man BGE-Aktivisten Glauben, so könnten schon jetzt 1/4 aller Bundesbürger sich ein Grundeinkommen in Deutschland vorstellen. Fakt ist aber auch, dass die sogenannten Volksparteien wie CDU, CSU und ebenso die SPD die politische Forderung eines Bedingungslosen Grundeinkommens derzeit keine Bedeutung zumessen. Obwohl die CDU mit ihrem Ministerpräsidenten Althaus bereits im Jahre 2006 das solidarische Bürgergeld vorgestellt hat, das jeder Bürger der Bundesrepublik erhalten sollte. Auch die FDP verabschiedete auf dem Bundesparteitag 2005 das liberale Bürgergeld und verfolgte lange Zeit ein ähnliches Konzept.

Innerhalb der SPD gab es zu keiner Zeit eine nennenswerte Debatte über das Thema Grundeinkommen. Lediglich einzelne Kreisverbände, wie der Rhein-Erft-Kreis (NRW), nahmen das Bedingungslose Grundeinkommen als politisches Ziel in ihr Programm auf. Auch bei den großen Gewerkschaften war das Grundeinkommen nie Thema einer politischen Auseinandersetzung. Hier herrscht nach wie vor die Meinung, dass über eine Bedarfsabhängigkeit viel gerechter und einfacher eine soziale Grundsicherung erzielt werden könnte. Zitat:

“Armut muss bekämpft werden, da besteht Einigkeit. Dies kann aber mit viel weniger Aufwand und realistischer als durch ein BGE durch verbesserte bedarfsabhängige Leistungen erreicht werden”.

Die gleiche Meinung vertritt auch etwa die Hälfte der Mitglieder der Linkspartei. So fand die politische Forderung eines Bedingungslosen Grundeinkommens bislang keinen Einzug in das Grundsatzprogramm der Linken. Auch innerhalb der Partei Bündnis90/DieGrünen wird das Thema Grundeinkommen lediglich diskutiert. Bekannte Politiker der Grünen, wie Claudia Roth, Cem Özdemir, Jürgen Trittin und nicht zuletzt der Ministerpräsident von Baden-Württemberg Winfried Kretschmann sprechen sich gegen ein Grundeinkommen aus.

Die Meinung in der Bevölkerung

Und wie sieht die Unterstützung der Idee eines Grundeinkommens tatsächlich in der Bevölkerung aus. Im September 2016 zählte das Netzwerk Grundeinkommen 4431 Personen. Zum Vergleich: In der Friedensbewegung engagierten sich 1983 mehr als 1,3 Millionen Menschen. Auch die Anti-Atom-Bewegung in den 1970er Jahren konnten mehr als 250.000 Menschen in verschiedenen deutschen Städten gleichzeitig mobilisieren. Beides, die Friedensbewegung und die Anti-Atom-Bewegung gaben den Anstoß zur Gründung der Partei Die Grünen.

Nur rund 2500 Menschen waren am 14. September 2013 dem Aufruf einer Grundeinkommens-Demo in Berlin gefolgt. 250.000 Menschen hingegen konnten bei der Groß-Demo gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA in der Hauptstadt 2015 gezählt werden. Auch die letzten Großdemos in verschiedenen deutschen Städten gegen die Freihandelsabkommen erzielten hohe Teilnehmerzahlen.

Um ein politisches Ziel über eine neue Partei in die Parlamente zu bringen, bedarf es einer deutlich erkennbaren Grundstimmung in der Bevölkerung. Und genau das ist leider, wie man aus dem Engagement der Parteien und der Bevölkerung zum Bedingungslosen Grundeinkommen ablesen kann, derzeit nicht erkennbar. Im Gegensatz dazu generiert zur Zeit die AfD ihr Wählerpotenzial auch aus den regelmäßigen Demonstrationen gegen die derzeitig praktizierte Asylpolitik der Regierung.

Die Möglichkeit, via Wahlzettel eine Volksabstimmung zum Grundeinkommen zu erzielen, gerät dadurch zu einer Farce. Nur die wenigsten Menschen, im Grunde genommen nur die Insider und BGE-Aktivisten, werden diese Möglichkeit wahrnehmen. Die allermeisten Wahlberechtigten werden mit einer BGE-Partei nichts anzufangen wissen.

Wahldebakel in Aussicht?

Gerade das zuletzt genannte Argument kann möglicherweise ausschlaggebend sein, für ein Wahldebakel der BGE-Partei bei der kommenden Bundestagswahl. Denn, um die Idee und das politische Ziel der neuen Partei den Wählerinnen und Wählern zu vermitteln, ist eine wohldurchdachte Informationskampagne unbedingt erforderlich, wie die durchaus erfolgreiche Volksinitiative zum Grundeinkommen in der Schweiz gezeigt hat. So war diese Volksabstimmung von langer Hand geplant und mit einer ebenso langen Vorbereitungsphase auf den Weg gebracht worden. Allein die Kampagnen in den letzten Monaten vor der Abstimmung erzielten über die Grenzen der Schweiz hinaus weltweites Aufsehen. Entsprechende Videos sind auf YouTube abrufbar. Auch die erste Unterschrift auf den Abstimmungszettel für das Grundeinkommen durch Miss Helvetia war eine riesige mediale Initiierung. Im Gegensatz dazu kommt die Gründung der neuen BGE-Partei in Bezug auf öffentliche Wirksamkeit einer Nacht- und Nebelaktion gleich. Lediglich das Netzwerk Grundeinkommen und Neues Deutschland berichteten darüber.

Hätte das Abschneiden der BGE-Partei bei der Bundestagswahl 2017 tatsächlich Auswirkungen auf die politische Forderung zur Umsetzung eines Bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland?

Die Antwort ist ein klares Ja. Sollte die BGE-Partei die 5-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl 2017 meistern, würde das sowohl die Medien- als auch die Parteienlandschaft in Deutschland aufrütteln. Ohne Zweifel würde dieser Erfolg ein Umdenken in den Parteien wie den Grünen und den Linken hervorrufen. Auch die SPD würde sich dieser neuen politischen Forderung nicht entziehen können und selbst bei CDU und FDP würden alte Bürgergeld-Konzepte neu aufgelegt werden. Damit hätten die BGE-Partei-Gründungsmitglieder ihr politisches Ziel erreicht. Aber bei allem Optimismus, hier erscheint mir der Wunsch Vater des Gedankens.

Selbst zwei Prozent Wählerstimmenanteil, so gab mir ein Vorstandsmitglied der neuen Partei erst kürzlich zu verstehen, würde man als Wahlerfolg betrachten. Zwei Prozent Wählerstimmenanteil aber spielt in den Medien keine wesentliche Rolle. Auch wenn möglicherweise darüber kurz berichtet würde, so wäre spätestens nach der Regierungsbildung das Thema obsolet. Viel wichtiger erscheint mir daher auf den negativen Langzeiteffekt eines Wahldebakels der BGE-Partei für die politische Forderung eines Bedingungslosen Grundeinkommens in unserem Land einzugehen.

Die Kritiker und Gegner eines Bedingungslosen Grundeinkommens sind mächtig. Und obwohl bei ihnen die Totschlagargumente “ein BGE wäre nicht finanzierbar” und “keiner ginge mehr arbeiten” immer wieder vordergründig genannt werden, spielt nach meiner Einschätzung die Angst vor dem eigenen Machtverlust und die neu entstehenden “unkalkulierbaren” Freiräume der Bürgerinnen und Bürger durch ein BGE die entscheidende Rolle. Der Zwang zur Erwerbsarbeit ist ein Kontrollmechanismus sowohl für Regierungen als auch für Unternehmen, Lobbyverbände, Banken und Investoren. Das, und nur das allein, ist der entscheidende Grund, warum man sich in diesen Kreisen so vehement gegen ein Bedingungsloses Grundeinkommen ausspricht.

Je stärker die Volksabstimmung zum bedingungslosen Grundeinkommen in der Schweiz in den Fokus der Medien Anfang des Jahres geriet, umso häufiger meldeten sich die Kritiker eines Bedingungslosen Grundeinkommens zu Wort und nicht allein in der Schweiz, sondern vor allem in Deutschland.

Ein Wahldebakel der BGE-Partei würde diesen Kritikern Auftrieb geben und das aufkeimende Pflänzchen BGE gerade in den Parteien wie den Linken und den Grünen den Nährboden entziehen. Die Forderung zur Umsetzung eines BGE hat die BGE-Partei nicht allein gepachtet. Sowohl im grünen Netzwerk Grundeinkommen von Bündnis90/DieGrünen, als auch in der Bundesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen der Linken engagiert man sich seit Jahren, um das Thema Bedingungsloses Grundeinkommen innerhalb der Partei salonfähig zu machen und die notwendige Mehrheit zu bekommen, damit dieses politische Ziel endlich ins Grundsatz- bzw. Wahlprogramm fest verankert wird. Gerade für diese BGE-Mitstreiter und Aktivisten droht über Jahre hinaus, dass sie innerhalb ihrer Partei auf das politische Abstellgleis gestellt werden.

Die politischen Rahmenbedingungen zum BGE müssen stimmen.  

Die politische Umsetzung eines Bedingungslosen Grundeinkommens kann nur im Rahmen eines gesellschaftlichen Konsenses über Parteien, Institutionen und Organisationen hinaus verwirklicht werden. Die politische Forderung allein hat keine Tragfähigkeit.

So leitet die Piratenpartei ihre politische Forderung eines BGE zum einen aus dem Grundgesetz ab.

“Die Würde des Menschen zu achten und zu schützen ist das wichtigste Gebot des Grundgesetzes. Ein Mensch kann nur in Würde leben, wenn für seine Grundbedürfnisse gesorgt und ihm gesellschaftliche Teilhabe möglich ist. In unserer Geldwirtschaft ist dazu ein Einkommen notwendig”.

Zum anderen aber auch aus dem digitalen Wandel und der damit verbundenen Veränderung der Arbeitswelt und des bestehenden Wirtschafts- und Sozialsystems.

“Diese neu entstehende Werte- und Tätigkeitsgesellschaft benötigt auch einen anderen Arbeitsbegriff. Daher ist es die Aufgabe des Staatswesens, dafür Sorge zu tragen, dass jede Art von Arbeit gewürdigt wird. Jeder Mensch soll nach seinen Neigungen und Fähigkeiten tätig sein können und dürfen”.

Die Piratenpartei ist die Partei des digitalen Wandels und seit ihrem Bundesparteitag 2010 in Chemnitz setzt sie sich für Lösungen ein, die eine sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe individuell und bedingungslos garantieren. Bekannte BGE-Aktivisten, wie Susanne Wiest, Johannes Ponader und Anke Domscheid-Berg sind oder waren Mitglieder der Piratenpartei. Dass das Thema Bedingungsloses Grundeinkommen oft nicht den gewünschten politischen Stellenwert innerhalb der Partei einnahm und häufig sich anderen politischen Themen unterordnen musste, ist nicht zu leugnen. Dass hierdurch auch politischer Frust und Verdruss bei BGE-Aktivisten und Sympathisanten entstand, ebenso. Tatsache ist aber auch, dass es seit 2012 eine sehr aktive Arbeitsgemeinschaft zum Bedingungslosen Grundeinkommen auf Bundesebene (AG-BGE) innerhalb der Piratenpartei gibt, die sich auch als offene politische Plattform zum Thema BGE sieht. Fakt ist auch, dass die politische Forderung zur Umsetzung eines BGE zunehmend auch im Wahlprogramm zu Landtagswahlen der Piratenpartei an Bedeutung gewinnt. Und bei aller berechtigter Kritik, die Piratenpartei Deutschland wird nach wie vor als die Partei für das Bedingungslose Grundeinkommen sowohl in den Medien als auch bei Organisationen und Initiativen wahrgenommen.

Wir lassen uns die Butter nicht vom Brot nehmen!

Die Piratenpartei wird 2017 mit der politischen Forderung eines BGE in den Bundestagswahlkampf ziehen. Damit setzen wir ein deutliches Zeichen für politische Kontinuität und Verlässlichkeit. Ob Bündnis90/DieGrünen bzw. Die Linke mit einer ebenso klaren Position zum BGE in den Wahlkampf ziehen, bleibt abzuwarten.

Viel wichtiger aber erscheint mir langfristig gesehen die Vernetzung zum Thema BGE über Parteien, Initiativen und Organisationen hinaus. Solche Bestrebungen gab es bereits in der Vergangenheit, mit mehr oder weniger Erfolg. Oft scheiterte es bereits bei der Beantwortung zu Fragen der Umsetzung und Finanzierung eines Grundeinkommens.

Als Koordinator der AG-BGE stelle ich zunehmend fest, dass die Bereitschaft zur Ausarbeitung von gemeinsamen Schnittmengen in jüngster Zeit sowohl innerhalb von Parteien als auch von Initiativen und Organisationen zunimmt. Damit wäre eine wichtige Grundvoraussetzung einer übergreifenden BGE-Allianz gegeben. Nur im Rahmen eines gesellschaftlichen Konsens über Parteien, Institutionen und Organisationen hinaus lässt sich ein BGE verwirklichen. Und an dieser Voraussetzung werden wir PIRATEN uns maßgeblich beteiligen. Dafür sind wir PIRATEN!

Über Stefan Müller

Pirat und Zeitungsmacher.
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7 Kommentare zu Zur neuen Grundeinkommenspartei: Volksabstimmung per Wahlzettel?

  1. Ingenieur Politik sagt:

    Ein BGE ist in D längst überfällig. Eine der reichsten Industrienationen kann sich ein BGE durchaus leisten. Es ist sogar bezahlbar. Z.B. ü er die Einzahlungen zur Arbeitslosenversicherung, die jeder Angestellte und Arbeiter leistet. Eine Abwertung des Themas durch Gründung einer Partei sehe ich nicht. Im Gegenteil. eine Partei kann dahin wirken, das das Thema in der Bevölkerung eher diskutiert wird. Mfg, Thomas

  2. Stefan Dirnstorfer sagt:

    Vielen Dank für deinen Artikel. Dein zentrales Argument gegen die BGE-Partei scheint mir zu sein, dass man scheitern könnte und damit der Idee schaden würde. Das ist nicht besonders stichhaltig. Mit dieser Begründung kann man gegen jede politische Aktivität argumentieren.

    Du hast angekündigt, dass die Piraten in der kommenden Bundestagswahl ein “Zeichen für Kontinuität und Verlässlichkeit” setzen werden. Das wäre natürlich sehr zu begrüßen und falls die BGE-Partei dazu beträgt, dass Piraten sich zusammenraufen und geschlossener für dieses Thema eintreten, dann wäre schon ein wichtiges Ziel erreicht. Hätten wir das für ein realistisches Szenario gehalten, dann hätten wir die BGE-Partei nicht gegründet.

    Trotz aller Unterschiede sollten wir versuchen so weit wie möglich gemeinsam für das Thema zu kämpfen. Vor den von dir beschriebenen Mächtigen habe ich keine Angst. Die Zeit ist auf unserer Seite.

  3. Ute Plass sagt:

    Danke für diesen reflektierten, wie konstruktiven Beitrag, von dem ich wünschte, dass er auch den Grundeinkommens-Partei-Leuten zur Kenntnis käme.
    Vielleicht sollte Gernot Reipen ihn auf der Partei-Diskussionsliste

    https://lists.bgeserver.de/mailman/listinfo/bgepartei veröffentlichen?

  4. An dieser Stelle möchte ich einen kritischen Beitrag zu meinem Artikel veröffentlichen, der mir per Mail zugesendet wurde. Gute Kritik ist mir wichtig!

    Hallo Gernot,

    ich sehe das neue Bündnis Grundeinkommen eher als (letzten) Versuch, die
    politische Debatte um das BGE in Deutschland wieder neu zu beleben.

    Trotz regelmäßiger Beiträge über das Projekt »Mein Grundeinkommen«, die
    kurzzeitig erhöhte Artikeldichte im Rahmen der Schweizer Volksabstimmung
    und der periodisch erscheinenden Berichte über Pilotprojekte im Ausland
    (Finnland, Niederlande, Kenia) ist die Resonanz in der Politik doch so
    gut wie gar nicht (mehr) vorhanden (BGE-Befürworter in den
    Bundestagsparteien müssen Glück haben, wenn sie wegen solcher Ereignisse
    wie in der Schweiz auch mal wieder etwas schreiben dürfen).

    Die Diskussion innerhalb der Parteien ist im Prinzip tot (kaum Echo auf
    die Schweizer Volksabstimmung), selbst die Linke traut sich nicht,
    innerhalb der Partei Umfragen durchzuführen (stattdessen wird
    Diskussionsbereitschaft ins Parteiprogramm geschrieben). Ein Lehrstück
    in parlamentarischen Defätismus haben uns dabei auch die Grünen
    vorgespielt (so viel zur Vorstellung, man könnte im Bundestag Themen
    »überparteilich« voranbringen):
    https://www.grundeinkommen.de/17/10/2015/bundestagsabgeordnete-der-gruenen-beziehen-stellung-zu-grundeinkommen-und-enquete.html

    Dazu kommt, das viele BGE-Initiativen in den letzten Jahren
    eingeschlafen sind bzw. aufgegeben haben (aufgrund meiner
    Bodenzeitung-Produktion habe ich Kontakt zu vielen alten und neuen
    Aktiven). Hört man denen zu, hat die Nachricht von der Parteigründung
    bei vielen einen regelrechten Aktivitätsschub ausgelöst, da viele
    offensichtlich auf so ein »Ausbruchssignal« gewartet haben. Die Partei
    (und der Vorstand) setzt sich deshalb auch zum großen Teil aus diesen
    Leuten zusammen (plus einigen Piraten und Neu-Interessierten). Ziel ist
    es in diesem Zusammenhang auch, den Regionalinitiativen und dem Netzwerk
    Grundeinkommen ein Werkzeug zu geben, das für die – regionale und
    bundesweite – Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden kann.

    »Im Gegensatz dazu kommt die Gründung der neuen BGE-Partei in Bezug auf
    öffentliche Wirksamkeit einer Nacht- und Nebelaktion gleich. Lediglich
    das Netzwerk Grundeinkommen und Neues Deutschland berichteten darüber.«

    Offensichtlich haben wir eine unterschiedliche Art der
    Presse-Wahrnehmung.
    http://www.buendnis-grundeinkommen.de/category/pressespiegel/

    Ich war selber überrascht, wie viele überregionale Medien über die
    Parteigründung im Vorfeld berichtet haben. Vielleicht sollten wir den
    Wunsch der Medien nicht unterschätzen, gerade im Hinblick auf die BTW17
    mehr über positive Politische Ideen berichten zu wollen, anstatt
    andauernd über AFD und Pegida berichten zu müssen.

    »Die Möglichkeit, via Wahlzettel eine Volksabstimmung zum Grundeinkommen
    zu erzielen, gerät dadurch zu einer Farce. Nur die wenigsten Menschen,
    im Grunde genommen nur die Insider und BGE-Aktivisten, werden diese
    Möglichkeit wahrnehmen. Die allermeisten Wahlberechtigten werden mit
    einer BGE-Partei nichts anzufangen wissen.«

    Das ist mir ehrlich gesagt zu apodiktisch. Niemand von uns weiß, mit
    welchem Stimmenanteil die neue BGE-Partei abschneiden wird (0,5% oder
    2,5% oder gar 5,5%). Bisherige Umfragen zufolge, würde – je nachdem, wie
    die Umfrage gestellt ist – 1/4 oder auch 2/3 der Menschen in Deutschland
    ein BGE befürworten. Jedoch erst wenn man einen Gesetzesvorschlag (wie
    in der Schweiz) mittels einer bundesweiten Volksabstimmung vor die
    Bevölkerung bringen würde, würde es Ernst genug für alle Bürger werden,
    um eine ehrliche Entscheidung treffen zu müssen. Dies lässt sich auch
    auf die Vergabe der Zweitstimme übertragen: hier wird sich dann zeigen,
    wie vielen Wählern das BGE so wichtig ist, dass sie dafür ihre
    Zweitstimmen einsetzen, anstatt diese für andere Themen (mittels der
    Wahl von Parteien mit Vollprogrammen) zu vergeben.

    Im besten Fall werden die anderen Parteien genötigt sein, das BGE nicht
    länger ignorieren zu können, was auch den BGE-Anhängern in diesen
    Parteien wieder Auftrieb verschaffen würde. Im schlechtesten Fall haben
    viele Menschen ihre ehrenamtliche Zeit darauf verwendet, das BGE in
    Deutschland in konzertierten Aktionen gemeinsam zu bewerben. So oder so
    wird es die Chancen erhöhen, das BGE bei der BTW21 zu einem
    wahlentscheidenden Thema zu machen!

    PS: einige Aussagen in deinem Artikel in Richtung der neuen Partei (»Wir
    lassen uns die Butter nicht vom Brot nehmen!«) , erinnern mich an
    vereinzelte Reaktionen auf die damalige Petition von Susanne Wiest:

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