Verräterische Telekom

Transparenzbericht der Telekom zeigt das Ausmass der konzerneigenen Vorratsdaten-Verkäufe an Abmahner (Clip aus der WAZ vom 7.5.)

Transparenzbericht der Telekom zeigt das Ausmass der konzerneigenen Vorratsdaten-Verkäufe an Abmahner (blau hinterlegt: Ausschnitt aus der WAZ vom 7.5.)

Das ist Insidern schon lange bekannt: die Deutsche Telekom zählt zu den Providern mit “interner Vorratsdatenspeicherung”. Sieben Tage lang wird für Telekom-Kunden festgehalten, mit welcher IP-Nummer sie Dienste im Internet abrufen. Das langt “Abmahn-Anwälten”: übers zuständige Amtsgericht Köln erfahren sie bequem die Post-Adresse zur IP-Adresse.

Eine breite Öffentlichkeit erfährt es heute aus der Zeitung: 946.641 Auskünfte waren es laut neuem “Transparenzbericht 2013” der Telekom.

Es läuft wie geschmiert: die Richter haben einen lockeren Job und überschaubare Arbeit. Schnittstellen zwischen Gericht und Telekommunikationskonzern sorgen dafür, dass die Kundendaten noch effizienter fließen. Dort hält die Telekom auch noch mal die Hand für ihre “Auskunft” auf, die ja wohl weitestgehend automatisch aus einer Datenbank generiert wird. Die WAZ (7.5.2014) will wissen, dass es gerüchteweise 18 bis 36 Euro pro Datensatz sind. Macht 18.000.000 bis 36.000.000 Euro für den Verrat an einer knappen Million Kunden.

Auf ihrer Datenschutzseite für kritische Kunden verschweigt die Telekom diesen interessanten Fakt. Hier heißt es etwa:

Zur Kundenbetreuung müssen der Kundenservice und die technischen Betriebskräfte auf die gespeicherten Daten zugreifen können, wenn dies für die Bearbeitung erforderlich ist. Der Kundenservice muss auf Kundendaten zugreifen können (…bablabla…) Für andere Zugriffe bedarf es einer expliziten Einwilligung des Kunden oder einer besonderen gesetzlichen Erlaubnis.

Wer also weiter gern verraten werden will, bleibe beim Rosa Riesen. Alle anderen sollten sich mal Gedanken machen, zu einem datensparsamen Provider zu wechseln. Eine gute Übersicht gibts beim AK Vorrat. Vielleicht bringt es was, wenn man als Noch-Telekom-Kunde auf ein Sonderkündigungsrecht pocht, denn dass Kommunikationsdaten auf Vorrat gehalten werden und sei es nur sieben Tage lang, ist meiner Meinung nach überraschend und damit ein “wichtiger Grund”, dem zu entgehen.

Über Stefan Müller

Pirat und Zeitungsmacher.

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