NSA-Selektoren: Pressestimmen zum Leak des Ermittler-Berichtes

NSA - NEVER SAFE AGAIN - be-him CC BY NC NDIm satirischen Wochenrückblick auf heise.de heißt es: “Nun ist er da, der Bericht des Selektorenlistenbeauftragten Graulich zu den NSA-Selektoren beim BND, sogar in drei Varianten. Da ist zum einen der offene Bericht für das gemeine Volk, immerhin 263 Seiten lang, ohne abseits bekannter Selektoren wie EADS und Eurocopter konkrete Namen zu nennen. Dann gibt es für die Happy Few eine hundert Seiten längere Fassung, die ‘streng geheim’ ist und Namen nennt. Schließlich die Fassung mit weiteren 150 Seiten, die so geheim sind, dass sie nur im Bundeskanzleramt gelesen werden dürfen. Hier muss man schon mundartlich werden und vom Prinzip Verhohnepipelung reden oder ist es schon Vergantung oder technisch eine Mustermannisierung, frei nach dem abgedruckten Selektor MAX.MUSTERMANN\&\#37;2540INTERNET.ORG??? Neben den abgefragten Mailadressen sind die Erläuterungen zu den Inhalts-Stichworten (Telekommunikationsmerkmale bzw. TKM) ganz aufschlussreich: ‘Die genaue Zahl der den amerikanischen Selektoren zu Grunde liegenden TKM ist dem BND nicht bekannt. Sie lässt sich mangels Kenntnis des von der NSA verwendeten Algorithmus auch nicht zurückrechnen, sondern nur erfahrungswissenschaftlich schätzen.'”

Die linksliberale “Frankfurter Rundschau” lobt den Journalismus: “Man darf als Regierungsmitglied nicht darauf vertrauen, die Geheimdienste würden der eigenen Regierung gegenüber schon keine Geheimnisse haben. Das gilt ebenso für das naive Vertrauen in die US-Freunde, sie würden schon nichts Unrechtes tun. Eines aber steht fest: Ohne das unermüdliche Nachfragen, Recherchieren und Veröffentlichen von wie auch immer erlangten Informationen durch Journalisten und ohne das ebenso konsequente Nachhaken von Linken und Grünen im Bundestag würde die Regierung über viele illegale Aktivitäten von NSA und BND bis heute nichts wissen”

Der “Tagesspiegel” aus Berlin steigt in die Untiefen des geheimen Zwischennetzes: “Über die Doppelmoral der Geheimdienste hinaus bestätigt der Bericht ein weiteres Mal, dass es das große Wir, die europäisch-amerikanische Affenliebe, in Wahrheit gar nicht gibt. Während Präsidenten und die deutsche Kanzlerin unter wehenden Fahnen Verbundenheit schwören, belauern sich in den Serverräumen die Techniker und versuchen, jedes Bit Information über den anderen abzusaugen … Offen ist jetzt eigentlich nur noch die Frage, ob die USA, anders als sie stets beteuern, die Informationen über Unternehmen in Europa auch zur ‘Erlangung von Wettbewerbsvorteilen’ nutzten, wie es in der engen Definition von Wirtschaftsspionage heißt, die die Dienste gern nutzen.”

Über Stefan Müller

Pirat und Zeitungsmacher.

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