PIRATEN empfehlen Alternativen zur WhatsApp

WHATTSAPP-PIRATEN - BILD - Holger Gier CC BY SA
WhatsApp ist der weltweit wohl meistbenutzt Messenger für Smartphones und gehört derzeit zu den beliebtesten Apps überhaupt. Längst hat die WhatsApp-Nachricht die SMS abgelöst. Nun wurde angekündigt, dass der Service künftig kostenlos zum Download angeboten wird, statt wie bisher gegen eine Abogebühr.

JOERG ARWEILER - FOTO-PIRATEN - CC BY NC SA

Jörg Arweiler, politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Saarland, sieht diese Entwicklung kritisch und schlägt Alternativen zu WhatsApp vor, das 2014 für 19 Milliarden Dollar von Facebook aufgekauft wurde:

 

»WhatsApp wird zwar bald gratis nutzbar sein, aber das heißt noch lange nicht vollkommen kostenlos. Auch wenn für die Nutzung keine Gebühren anfallen, zahlt man doch weiterhin mit seinen Daten. Schon bei Installation der App wird man zur Freigabe seines Adressbuchs aufgefordert, muss seine eigene Handynummer an den WhatsApp-Server übertragen und auf Echtheit hin überprüfen lassen. Neben diesen Daten werden auch sämtliche Chats mit privaten Kontakten über diesen Server übertragen, gespeichert und können analysiert und so weiter verwendet werden. Nur der Dienstleister selbst weiß, was mit den Daten der User genau passiert, der Quellcode ist nicht offen einsehbar.

 

Daten sind für WhatsApp Währung und Rohstoff der Zukunft zugleich. Sie sind für das Unternehmen offensichtlich wesentlich lukrativer als Werbung und Abogebühren. WhatsApp will mit dem neuen Gratis-Angebot seine Weltmachtstellung weiter ausbauen und plant, neue Services in die App einzubauen, um alle anderen Kommunikationstools überflüssig zu machen. Das Ziel ist klar: Wenn alle nur noch WhatsApp nutzen, um mit Freunden zu schreiben, zu telefonieren, in Onlineshops zu bestellen oder Sitzplätze zu reservieren, weiß WhatsApp und damit auch Facebook bald alles über uns. Wir empfehlen dem User, sehr kritisch bei der Verwendung von WhatsApp zu sein und nicht blindlings den Datenschutzbeteuerungen des Anbieters zu trauen.

 

Datenschutz beginnt bei Datensparsamkeit. Daher möchten wir insbesondere zwei alternative Messenger empfehlen, auch wenn deren Verbreitung bei Weitem nicht so hoch ist wie die von WhatsApp und es schwer sein kann, Freunde von der Nutzung von Alternativen zu überzeugen: Signal und Tox Chat. Beide bieten einen besseren Schutz der Privatsphäre bei gleichem Komfort, ermöglichen neben Text-Messaging auch Telefonie, Tox sogar Videochat, ähnlich wie Skype. Bei beiden Alternativen ist der Quellcode offen, sodass man im Zweifel überprüfen kann, was die App tut. Bei beiden Tools gilt die Verschlüsselung als sicher. Für Tox existieren neben einer Android-App auch Clients für Windows, Linux und MacOS, aber noch keine iPhone-App; für Signal sind Desktop-Apps angekündigt. Tox kommuniziert dezentral, also direkt von Nutzer zu Nutzer ohne zusätzlichen Server.

 

Je mehr Menschen alternative, sicherere Messenger-Alterativen nutzen, desto stärker wird die Weltmachtstellung der Datenkraken Facebook/WhatsApp beschränkt. Einen hundertprozentigen Schutz wird es allerdings nie geben«, mahnt Arweiler abschließend.

 

Grundsätzlich gilt natürlich auch bei diesen Alternativen, das jeder User sich zuerst informieren sollte, wer dahinter steht, wie das Geschäftsmodell aussieht und welche Probleme eventuell auftreten könnten. Erst prüfen, dann downloaden. ;=)

Damit die Kommunikation auch wirklich sicher ist.

 
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20 Kommentare zu PIRATEN empfehlen Alternativen zur WhatsApp

  1. Pingback: Kompass Links 31. January 2016 | Kompass – Zeitung für Piraten

  2. Mohs sagt:

    Wie wäre es eigentlich ganz klassisch mit XMPP oder Email? das ist dezentral, quelloffen, OTR-Verschlüsselbar, läuft auf allen Geräten und jeder ach so dämliche store hat dafür auch was im angebot.

    • Janik sagt:

      OTR funktioniert nur wenn beide gleichzeitig online sind. Das ist ziemlich nervig. Und Gruppenchats kann man damit auch nicht verschlüsseln

    • MK sagt:

      Für die Geeks und Nerds sicher eine Alternative. Aber ehrlich gesagt bedarf es einer Anwendung die keinerlei Einstellungen über Server Ports oder Ähnlichem hat um den normalen “Smart”phone-Nutzer nicht zu überfordern.

      Mir fehlt in der Auflistung allerdings Threema .. der funktioniert derzeit auch schon wirklich smooth und man kann optional auch noch Sicherheiten nutzen die WhatsApp nicht hat. (verfizierte Kontakte, ordentliche Verschlüsselung etc.)

    • Ja, grundsätzlich ist das richtig. Allerdings handelt es sich hierbei um keinen klassischen Messenger, die wir hier bei Vorstellung der Alternativen berücksichtigt haben. Darüber hinaus ist der Akkuverbrauch bei den XAMPP Clients oft sehr hoch, ähnlich wie Skype. Daher ist das insbesondere für Handys nicht so gut geeignet. Die OTR Nachteile wurden im vorherigen Kommentar schon beschrieben.

  3. Sven sagt:

    Warum wir Threema nicht erwähnt? Ist doch einer der stärksten Konkurrenten und bietet bis auf die fehlende Quelloffenheit alle geforderten Sicherheitsfeatures.

    • Threema wurde nicht miteinbezogen, weil es weder quelloffen noch kostenlos ist. Wir wollten diesmal bewusst quelloffene und kostenlose WhatsApp Alternativen vorstellen. Gleichzeitig sind beide noch nicht so bekannt wie Threema, bieten aber einen größeren Funktionsumfang wie Voice- oder Videochat.

    • Jörg sagt:

      Bei Threema kann man den z.B. den Quellcode nicht überprüfen, daher kann man sagen wie sicher Threema wirklich ist.

  4. sonOfRa sagt:

    Als einer der Entwickler im Tox-Projekt, möchte ich hier darauf hinweisen, dass es bisher keinerlei Security-Audits unseres Projektes gegeben hat. Insbesondere Voice- und Videodaten lassen sich oft trotz Verschlüsselung mit statistischen Verfahren herleiten. Ob dies auch bei Tox möglich ist, haben wir bisher mangels Budget noch nicht testen können. Hier ist also Vorsicht geboten, wenn man wirklich sensitive Daten übermittelt.

  5. Amon sagt:

    Witzig, wie ihr noch Anfang Januar ’15 whatsapp unkritisch erwähnt habt, weil es ja e2e-crypto habe.
    //kompass.im/2015/01/gmx-und-web-de-web-mail-dienste-wollen-verschluesselung-fuer-alle-heise-online/

    • e2e ist schon ein prima Argument für Whatsapp, jedenfalls hat whatsapp nach wie vor mehr e2e als gängige Mailprovider.

      Dass die Firma dahinter (Facebook) nicht so toll ist und ihren Style beim zugekauften Whatsapp durchdrückt, ist schon ein Grund nach Alternativen zu suchen, wie das Jörg Arweiler tut.

  6. almereyda sagt:

    Ihr könntet das Bild mal mit einer Lightbox auf die High-Res Version verlinken, damit es sich auch lesen lässt 😉 Die Fonts sind doch etwas klein gerastert worden.

  7. Xubuntu sagt:

    Telegram Messanger ist super. Er läuft auf dem Ubuntu-Phone und auch bei den übrigen Anbietern. Daher ist er in Verbindung mit dem quelloffenen Betriebssystem zur Zeit die beste und einzige Alternative zu WhatsApp, wenn man Open Source möchte. Es kann die Funktion “geheimer Chat” gewählt werden.

  8. Zum Thema XMPP habe ich auch noch was.
    Wichtig ist wirklich, neben Verschlüsselung, ein offener Übertragungsstandard wie SMTP bei Email zum Einsatz kommt.
    Stellt euch vor, da hätte jeder sein eigenes Süppchen gekocht. GMX Nutzer könnten nur mit GMX Nutzern, Google Mail nur mit Google Mail etc. mailen.
    Dann gäbe es jetzt sicher nur noch einen einzigen Mailanbieter. Und der würde konkurenzlos den Preis bestimmen.

    Auf Messeging angewendet heißt das, wenn man sich nicht auf einen offen Standard (XMPP) einigt wird es letzendlich nur EINEN Messenger geben (WhatsApp, Signal, Threema ????) der den Preis bestimmt.

    Um die Konkurenz zu erhalten bzw. für WhatsApp erst mal zu bilden, braucht es ein gemeinsames Protokoll damit die kleinen Messenger interssant für die Masse werden.

    Dann könnte ich meinen Lieblingsmessenger benutzen (z.B. Kontalk) und könnte trotzdem meinen Freunden, die z.B. lieber Threema oder Signal nutzten, schreiben ohne drei, oder noch mehr, Apps installieren zu müssen.

    http://www.kontalk.org ist ein kleines Projekt welches genau diesen Ansatz verfolgt. Auf das Kontalknetzwerk kann man z.B. schon mit herkömmlichen XMPP Clients,wie Pigdin, zugreifen.
    Das ist zwar noch nicht komplett ausgereift. Aber ich bin zuversichtlich, dass es noch wird.

    Denkt mal langfristig, vor allem die Piraten sollten da mal darüber nachdenken 😉

  9. Pingback: Lesenswerte Links KW05-2016 – zn80.net

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